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GEGENWART · Informationsstand 9. Oktober 2026 · Schwerpunkt Deutschland

Welche Arbeit können Maschinen heute übernehmen?

KI verändert die Arbeit am Bildschirm. Roboter übernehmen körperliche Aufgaben. Entscheidend ist, welche Tätigkeiten automatisierbar sind, wie zuverlässig die Technik arbeitet und ob Unternehmen dadurch weniger Personal benötigen.

Ein Beruf muss nicht vollständig verschwinden, damit Menschen ihre Arbeit verlieren. Wenn weniger Beschäftigte dieselbe Leistung erbringen, kann der Personalbedarf sinken. Das technische Potenzial allein bestimmt jedoch nicht, ob Stellen tatsächlich abgebaut werden.

Hohe Betroffenheit Mittlere Betroffenheit Geringe Betroffenheit

Die Farben kennzeichnen unsere qualitative Einschätzung des Automatisierungspotenzials. Sie sind keine gemessenen Arbeitsplatzverlustquoten. Gering bedeutet nicht risikofrei. Innerhalb eines Berufs unterscheiden sich Aufgaben und Betriebe erheblich. „Mittel“ fasst hier auch Profile mit mittlerem bis hohem Potenzial zusammen.

Büroarbeit, Gestaltung und digitale Berufe

Standardisierte digitale Arbeit ist besonders zugänglich für KI. Individuelle Anforderungen, Verantwortung und schwierige Ausnahmefälle begrenzen die vollständige Ersetzung. Die Einordnung orientiert sich an ILO und IAB, ergänzt durch eine redaktionelle Bewertung der genannten Aufgaben.

Qualitative redaktionelle Einschätzung; keine Verlustquoten
Berufsgruppe Betroffenheit Automatisierbare Aufgaben Was Menschen weiterhin leisten
Datenerfassung und Schreibdienste Hoch Datenübertragung, Dokumentenerfassung, Transkription Unklare Quellen und Fehlerfälle prüfen
Büroassistenz und Sekretariat Hoch Termine, Korrespondenz, Protokolle Persönliche Abstimmung und Sonderfälle
Buchhaltung und Rechnungsbearbeitung Hoch Belegzuordnung, Standardbuchungen, Rechnungsprüfung Ausnahmen, Kontrollen und Verantwortung
Kundenservice und Callcenter Hoch Standardauskünfte und einfache Reklamationen Komplexe Anliegen und Eskalationen
Übersetzung Hoch Standardtexte und Produktbeschreibungen Fachprüfung und sprachliche Nuancen
Werbetexte und Produkttexte Hoch Textvarianten, SEO-Texte und Beschreibungen Recherche, Positionierung und Faktenprüfung
Grafikdesign Hoch Standardmotive, Bildvarianten und einfache Layouts Art Direction, Markenführung und Produktionsprüfung
Webdesign Hoch Einfache Websites, Landingpages und Layoutentwürfe Individuelle Nutzerführung und Barrierefreiheit
Software- und Webentwicklung Mittel Standardcode, Dokumentation und einfache Anwendungen Architektur, Integration, Sicherheit und schwierige Fehler
Medienbearbeitung Hoch Untertitel, einfache Schnitte und Bildbearbeitung Dramaturgie und anspruchsvolle Produktion
Sachbearbeitung und Versicherungen Hoch Dokumentenprüfung und regelgebundene Standardfälle Ermessen, Haftung und Sonderfälle
Rechtsassistenz Mittel Recherche, Entwürfe und Dokumentensichtung Verlässliche Prüfung und Verantwortung
Finanz- und Datenanalyse Mittel Standardberichte, Auswertungen und Zusammenfassungen Datenqualität, Interpretation und Entscheidungen
CAD-Konstruktion und technische Zeichnung Mittel Varianten, Zeichnungsableitung und wiederkehrende Änderungen Fertigungswissen, komplexe Baugruppen und technische Freigabe

Körperliche Arbeit und Robotik

In den kommenden 6–12 Monaten sind weitere Anwendungen vor allem dort plausibel, wo Abläufe bereits standardisiert sind. Ein allgemeiner Ersatz ganzer Berufsgruppen durch humanoide Roboter ist daraus nicht ableitbar. Klassische Automatisierung existiert in vielen dieser Bereiche seit Jahren und ist nicht automatisch KI.

Qualitative redaktionelle Einschätzung; keine Verlustquoten
Berufsgruppe Betroffenheit Automatisierbare Aufgaben Einführungsstand und Grenzen
Fließbandarbeit an standardisierten Stationen Hoch Gleiche Teile einsetzen oder entnehmen An einzelnen Stationen kurzfristig möglich; Varianten und Störungen bleiben schwierig
Verpacken, Sortieren und Palettieren Hoch Wiederkehrende Handhabung gleicher Produkte Bereits etabliert; Produktwechsel können Grenzen setzen
Schweißen und Lackieren in Serienfertigung Hoch Wiederholbare Fertigungsschritte Bereits etabliert; Einzelanfertigung und Nacharbeit unterscheiden sich
Maschinenbeschickung Hoch Werkstücke einlegen und entnehmen Bei standardisierten Abläufen kurzfristig möglich
Innerbetrieblicher Materialtransport Hoch Material auf definierten Wegen transportieren Bereits verbreitet; Sonderfälle und ungeordnete Wege bleiben
Lagerkommissionierung Mittel Bestimmte Artikel greifen und zusammenstellen Für geeignete Artikel möglich; beliebige Waren sind schwieriger
Visuelle Qualitätskontrolle Hoch Definierte Fehlerbilder erkennen Kurzfristig umsetzbar; Ursachenanalyse braucht weitere Expertise
Bodenreinigung großer Flächen Hoch Freie, ebene Flächen reinigen Kommerziell verfügbar; keine vollständige Gebäudereinigung
Küchen- und Ausgabetätigkeiten Mittel Spezialisierte Zubereitung und Ausgabe Einzelanwendungen; Hygiene und Reinigung bleiben anspruchsvoll
Landwirtschaftliche Routinearbeiten Mittel Spezialisierte Feld- und Erntearbeiten Stark abhängig von Kultur, Wetter und Gelände
Bauhandwerk, Reparatur und Montage vor Ort Gering Transport, Vermessung und einzelne Hilfsaufgaben Gesamtberuf kurzfristig schwer ersetzbar; wechselnde Umgebung
Pflege und Betreuung Gering Transport und ausgewählte Assistenzaufgaben Gesamtberuf kurzfristig schwer ersetzbar; Kontakt und Situationsbeurteilung

Die Einstufung betrifft geeignete Teilaufgaben, nicht sämtliche Arbeitsplätze des Berufs. Für kurzfristige Umsetzbarkeit müssen Anlage, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lieferfähigkeit im konkreten Betrieb geprüft werden.

Mensch und Roboter im Vergleich

Roboter können für einen Betrieb rund um die Uhr ausgelegt sein. 24 Stunden an sieben Tagen ergeben 168 geplante Betriebsstunden pro Woche. Ladezeiten, Wartung, Störungen und fehlendes Material verringern die nutzbare Zeit. Ohne entsprechende Nachfrage bringt zusätzliche Kapazität keine zusätzliche Einsparung.

Mensch

1.550,9 hProduktive Jahresstunden
einer Vollzeitkraft

Roboter

7.862,4 hProduktive Jahresstunden
eines Roboters

Faktor

5,07-fachJahresleistung
im mittleren Szenario
Mensch und Roboter im Vergleich
Vergleichsgröße Mensch: eine Vollzeitkraft Roboter: eine Einheit
Geplante Zeit pro Woche 40 Stunden 168 Stunden
Rechnerische Jahresstunden, 52 Wochen 2.080 Stunden 8.736 Stunden
Urlaub 30 Arbeitstage = 240 Stunden (Beispielannahme) Kein Urlaubsbedarf
Krankheitsausfall 14,6 Arbeitstage = 116,8 Stunden Keine biologischen Erkrankungen
Verfügbare Jahresstunden vor weiteren Unterbrechungen 1.723,2 Stunden 8.736 Stunden
Angenommener produktiver Anteil 90 % 90 %
Produktive Jahresstunden 1.550,9 Stunden 7.862,4 Stunden
Relative Leistung pro produktiver Stunde 100 % 100 %
Verhältnis der jährlichen Produktionsleistung 1 5,07

Der Vergleich beschreibt ein Planungsszenario: 40 Wochenstunden, 30 Urlaubstage und durchschnittlich 14,6 Krankheitstage auf menschlicher Seite sowie tatsächlich genutzter 24/7-Betrieb auf Roboterseite. Für beide Seiten nehmen wir 90 % produktive Zeit und dieselbe verwertbare Leistung pro produktiver Stunde an. Die produktiven Anteile sind Modellannahmen, keine gemessenen Durchschnittswerte. Feiertage und zusätzliche menschliche Betreuung des Roboters sind in diesem Vergleich noch nicht berücksichtigt.

30 Urlaubstage sind eine Beispielannahme. Die 14,6 Krankheitstage entsprechen dem von Destatis berichteten Durchschnitt für 2025 (Stand: 23. Juli 2026). Die Jahresrechnung verwendet 52 Wochen und fünf menschliche Arbeitstage pro Woche; alle Ergebnisse werden erst bei der Ausgabe gerundet.

Szenarien und Berechnung

Die Szenarien verwenden dieselbe Jahresbasis mit 30 angenommenen Urlaubstagen, 14,6 Krankheitstagen und noch nicht berücksichtigten Feiertagen. Die verwertbare Leistung pro produktiver Stunde ist auf beiden Seiten gleich.

Jahresszenarien bei gleicher verwertbarer Leistung pro produktiver Stunde
Szenario Produktiver Anteil Mensch Produktiver Anteil Roboter Menschliche Jahresarbeitsleistungen je Roboter
Geringerer Robotervorteil 95 % 85 % 4,54
Mittleres Planungsszenario 90 % 90 % 5,07
Größerer Robotervorteil 80 % 95 % 6,02

Die Bandbreite von etwa 4,5 bis 6 menschlichen Jahresarbeitsleistungen zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Annahmen. Sie ist keine statistisch nachgewiesene Ersatzquote. Gemeinsame betriebliche Stillstände werden auf beiden Seiten nach denselben Regeln berücksichtigt.

Ein Roboter ist nicht auf die Aufgaben eines einzelnen Mitarbeiters beschränkt. Kann er passende Tätigkeiten mehrerer Mitarbeiter übernehmen, lassen sich automatisierbare Arbeitsanteile bündeln und seine Betriebszeit besser auslasten. Im mittleren Szenario könnte ein Roboter dadurch das Produktionsvolumen von rund fünf Vollzeitkräften übernehmen. Ob entsprechend viele Stellen ersetzt werden können, hängt davon ab, ob verbleibende Aufgaben neu verteilt werden können und zusätzliche Betreuung erforderlich ist.

Die Rechnung setzt voraus, dass der Roboter die zusammengefassten Aufgaben technisch bewältigt und rechtzeitig erledigt. Wechsel zwischen Aufgaben und Arbeitsstationen müssen im produktiven Anteil enthalten sein. Ein automatisierbarer Anteil von 70 % bedeutet daher nicht automatisch 30 % Leerlauf des Roboters: Er kann währenddessen passende Aufgaben weiterer Mitarbeiter übernehmen.

Was bedeutet eine Quote von 70 %?

70 % automatisierbare Tätigkeiten sind nicht automatisch 70 % eingesparte Arbeitszeit. Der IAB-Index zählt Kerntätigkeiten und gewichtet sie mangels Zeitdaten gleich. Für eine Personalrechnung braucht man dagegen den tatsächlich automatisierbaren Zeitanteil im Betrieb.

Der Zeitanteil im Jahresrechner bezeichnet ausdrücklich den angenommenen Anteil der produktiven menschlichen Arbeitszeit. Er bestimmt das verfügbare automatisierbare Arbeitsvolumen; die Roboter-Jahresleistung wird nicht zusätzlich mit diesem Anteil multipliziert.

Begrenztes Modellbeispiel: Vier Vollzeitkräfte leisten im mittleren Szenario zusammen 6.203,52 produktive Stunden pro Jahr. Bei 70 % passenden Aufgaben sind 4.342,46 Stunden automatisierbar. Trotz einer Roboter-Jahresleistung von 7.862,40 menschlichen produktiven Stunden beträgt die Bruttoentlastung hier nur 2,80 Vollzeitäquivalente. Bei acht Vollzeitkräften und demselben Zeitanteil begrenzt dagegen die Roboterkapazität die Bruttoentlastung auf rund 5,07 Vollzeitäquivalente. Das sind rechnerische Arbeitsvolumina, keine Kündigungszahlen.

Eigenes Jahresszenario berechnen

Ein Roboter, eine passende Aufgabengruppe. Festes Modelljahr: 52 Wochen und fünf menschliche Arbeitstage pro Woche. Produktive Anteile und Arbeitsverteilung sind Annahmen. Ergebnis: Jahresleistung und rechnerische Entlastung, keine Kündigungsprognose.

0 bis 100.000 Vollzeitäquivalente; Dezimalwerte möglich.
1 bis 168 Stunden; Tagesstunden = Wochenstunden ÷ 5.
0 bis 260 Arbeitstage; 30 Tage sind eine Beispielannahme.
0 bis 260 Arbeitstage; 14,6 Tage: Destatis, Berichtsjahr 2025.
0 bis 260 menschliche Arbeitstage;
Standard 0: noch nicht berücksichtigt.
Größer als 0 bis 100 %; Modellannahme: 90 %.
0 bis 100 %; angenommener Zeitanteil, keine Studienquote.
0 bis 168 Stunden; 24/7 ist ein tatsächlich genutzter Betriebsplan.
0 bis 100 %; Modellannahme: 90 %, einschließlich Unterbrechungen und Aufgabenwechseln.
0 bis 1.000 %; 100 % = gleiche Leistung
pro produktiver Stunde.
0 bis 100.000 menschliche Arbeitsstunden/Jahr; Standard 0: keine zusätzliche Betreuung angesetzt.

Feiertage: noch nicht berücksichtigt (0 Tage).

Beispiel: 1.550,88 h produktive Jahreszeit je Vollzeitkraft; 7.862,40 h Roboter-Jahresleistung in menschlichen produktiven Stunden; 5,07-fache Jahresleistung; 4.342,46 h automatisierbares Jahresarbeitsvolumen; 2,80 VZÄ Bruttoentlastung; 2,80 VZÄ Nettoentlastung nach 0,00 h zusätzlicher menschlicher Betreuung/Jahr.

Nettoentlastung = (Bruttoentlastung in produktiven menschlichen Jahresstunden − zusätzliche Betreuung in menschlichen Arbeitsstunden pro Jahr) ÷ produktive Jahresstunden je Vollzeitkraft. Betreuung wird nur einmal abgezogen: Hier nur zusätzlichen Aufwand eintragen, der weder in den produktiven Anteilen noch im verbleibenden Aufgabenvolumen bereits enthalten ist. Negative Werte zeigen zusätzlichen menschlichen Arbeitsaufwand.

Gemeinsame betriebliche Stillstände sind in den produktiven Anteilen beider Seiten nach denselben Regeln anzusetzen. Die Feiertagseingabe betrifft zusätzliche menschliche Ausfalltage; ein gemeinsamer Betriebsschluss muss auch auf Roboterseite berücksichtigt werden. Nicht enthalten: Investition, Energie, Integration, Übergangsverluste oder neu entstehende Nachfrage.

Was die Studien tatsächlich sagen

Die ILO/NASK-Studie von 2025 sieht bei rund einem Viertel der weltweiten Beschäftigung eine gewisse Exposition gegenüber generativer KI; 3,3 % liegen in der höchsten Kategorie. In Ländern mit hohem Einkommen beträgt die allgemeine Exposition 34 %. Das sind keine Vorhersagen entsprechender Arbeitsplatzverluste.

Das IAB ermittelte für Deutschland mit technischem Datenstand 2022: 13,03 Millionen beziehungsweise 38 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial, also mehr als 70 % automatisierbaren Kerntätigkeiten. Erfasst werden digitale Technologien und Maschinen insgesamt. Diese Zahl ist keine aktuelle KI-Verlustquote und darf nicht mit der ILO-Zahl addiert werden.

BMW berichtet aus einem zehnmonatigen Pilotprojekt in Spartanburg über mehr als 90.000 von einem humanoiden Roboter gehandhabte Bauteile. Das ist ein konkreter Einsatznachweis, aber kein Beleg einer bestimmten Zahl ersetzter Beschäftigter. Branchenberichte der IFR zeigen etablierte Anwendungen in Logistik und Reinigung; humanoide Robotik hat weiterhin Grenzen bei Zuverlässigkeit, Kosten und Sicherheit.

Quellen und Einordnung

Studienbefunde, Unternehmensberichte, redaktionelle Berufseinstufungen und frei gewählte Rechenannahmen sind unterschiedliche Arten von Aussagen. Unternehmensberichte belegen berichtete Anwendungen, nicht unabhängig gemessene Beschäftigungseffekte.